Kulturgeraune 2026


Gardasee- Verona-Opernkonzert

 

Die Fahrt mit der Bahn nach Verona ist zwar aufgrund der verschiedenen Anschlüsse immer auch ein kleines Abenteuer, bietet aber unterwegs wunderschöne Ausblicke. Bei uns hat ausnahmslos alles geklappt, so dass wir bereits am nächsten Tag entspannt mit dem Bus zum Gardasee weiterreisen konnten.

Für unseren Aufenthalt hatten wir bewusst einen eher unbekannten kleinen Ort ausgewählt. Unser Hotel, ein kleines Castello auf rund 1.700 Metern Höhe, verfügte über einen großen Park, eine Dachterrasse und einen Pool. Schon direkt nach dem Aufstehen wurden wir mit einem atemberaubenden Blick aus dem Fenster unseres Zimmers über den Gardasee belohnt. Diesen konnte man beim Frühstück im Garten ebenso genießen, wie später den Sonnenuntergang von der Dachterrasse aus.

Mit dem Boot lassen sich täglich andere Orte am Gardasee erkunden. Zwar ähneln sich manche Orte in ihrem Charakter, doch bei dem herrlichen Vorsommerwetter war jede Fahrt ein Genuss.

Auf dem Rückweg hatten wir uns für ein Opernkonzert in Verona entschieden, da von dort auch unsere Heimreise mit dem Zug begann. Das war eine ausgezeichnete Wahl!

In einem kleinen, stilvollen Saal wurden wir zunächst mit einem Glas Prosecco begrüßt. Anschließend hörten wir eine Auswahl bekannter und beliebter Opernarien. Dadurch entstand eine lockere, applausfreudige Atmosphäre, denn auch Gäste, die sonst selten oder nie eine Oper besuchen, konnten viele Melodien wiedererkennen. Eine Sopranistin, ein Tenor und ein virtuoser Pianist begeisterten das Publikum eine Stunde lang mit ihrem Können.

Für uns war es ein rundum gelungener Abend und eine wunderbare Idee für die Abendgestaltung in Verona!


Wunde Stadt - Premiere im Schauspielhaus MD

 

Nach den vorangegangenen Belastungen – Bedrohungen, Demonstrationen und der allgemeinen Verunsicherung – kam das so wichtige Stück nun endlich auf die Bühne. Karten für die Premiere waren allerdings selbst für mich als Vorstandsmitglied nur schwer zu bekommen. Das Schauspielhaus war wieder zu etwa 80 Prozent mit Menschen gefüllt, von denen man viele zuvor dort noch nie gesehen hatte und die nicht aus Magdeburg kamen. Bereits im Vorfeld hatte die ZEIT einen großen Artikel veröffentlicht, der ein Stück gegen die AfD ankündigte. Das mag in der aktuellen politischen Situation  ein wirklich  relevanter Aspekt sein, entsprach aber nicht vollständig der eigentlichen Intention der Inszenierung. Im Mittelpunkt standen vielmehr die Verletzungen der gesamten Stadt, die daraus entstandenen Veränderungen und natürlich die Schicksale der vielen Betroffenen. Der Regisseur hatte offenbar den Anspruch, möglichst jede Perspektive und jede Befindlichkeit zu Wort kommen zu lassen. Genau darin lag jedoch auch das zentrale Problem des Abends. Es musste schlicht alles auf die Bühne; und selbst nach mehr als zwei Stunden ohne Pause konnte diesem Anspruch nicht vollständig gerecht werden. Hätte man die Geschichte exemplarisch anhand eines einzelnen Betroffenen erzählt und die Menschen in dessen Umfeld – Pflegekräfte, Behörden, Nachbarn, Familie, Berufskollegen – zu Wort kommen lassen, wäre die Wirkung vermutlich eindringlicher gewesen. Gleichzeitig hätte das ständige Zusammenwirken aller Beteiligten deutlicher hervortreten können. So wirkte die Inszenierung stellenweise überfrachtet und das Verständnis wurde unnötig erschwert. Kein Wunder also, dass es zu einigen Texthängern kam. Fast alle Figuren befanden sich permanent im Dialog. Und selbst der von mir sehr geschätzte Anton agierte zeitweise deutlich überzeichnet. Das Bild der vielen über den Bühnenboden scharrenden Stühle war zwar sehr eindrucksvoll, doch das entstehende Geräusch erinnerte an abbrechende Kreide auf einer Tafel oder einen quietschenden Fingernagel – ein Klang, den man auf Dauer kaum ertragen kann. Das größte Problem der Inszenierung entstand jedoch durch das Aufwiegen von Schuld. Prügelnde Neonazis am Herrentag, Ausschreitungen in der Stadt, historische Rückgriffe bis zu Tilly – die Absicht, Zusammenhänge sichtbar zu machen, ist nachvollziehbar und grundsätzlich richtig. Für unmittelbar Betroffene erscheint eine solche Einordnung jedoch kaum schon nach einem Jahr möglich. Dass schließlich auch die trauernde Magdeburg vom Sockel stieg und aktiv ins Geschehen eingriff, empfand ich als besonders problematisch. Diese Szene überschritt für mich eine Grenze und wirkte stellenweise beinahe blasphemisch. Bemerkenswert war zudem, dass in den überregionalen Zeitungen kaum eigentliche Theaterkritiken erschienen. Stattdessen richtete sich der Blick überwiegend auf die politische Situation in Stadt und Land. Natürlich schwingt diese Dimension bei allem mit; und es ist wichtig, sie zu benennen. Doch dieses Stück hatte aus meiner Sicht auch die Aufgabe, den Menschen helfend zur Seite zu stehen und einen Beitrag zur Verarbeitung eines gesamtgesellschaftlichen Traumas zu leisten. Trotz aller Widrigkeiten hat unser Ensemble eine solide Leistung gezeigt und großen Durchhaltewillen bewiesen. Dafür gebührt allen Beteiligten Anerkennung. Ob die Inszenierung ihrem eigenen Anspruch vollständig gerecht wird, darüber lässt sich jedoch durchaus diskutieren. 


Element of Crime in der Festung Mark 

 

Mitten in der Abitur- und Examenszeit hatten wir das Konzert von EOC eigentlich schon abgeschrieben. Umso größer war die Freude, als uns Freunde überraschend zwei Karten schenkten – zum Glück!

Der Hof der Festung Mark war bis auf den letzten Platz gefüllt. Sven Regener zeigte sich in bester Spiellaune, und natürlich standen ihm auch die großartigen Musiker der Band in nichts nach.

Dazu kam der erste wirklich sommerliche Abend des Jahres – für ein Open-Air-Konzert hätten die Bedingungen kaum besser sein können.

Musikalisch wurde die gesamte Bandbreite geboten: von den alten Klassikern bis zu den neuesten Stücken. Die begeisterte Menge sang lautstark mit und machte den Abend zu einem besonderen Gemeinschaftserlebnis.

Als schließlich „Delmenhorst“ erklang, gab es kein Halten mehr: „Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist, und das ist immer Delmenhorst.“ Einfach göttlich. In solchen Momenten kann man nur die Arme in die Höhe reißen und laut „Romantik!“ rufen.


DOTA Factory

 

Was soll man über diese Frau und ihre fantastischen Musiker noch schreiben?

Ihre Lebendigkeit, Herzlichkeit und Überzeugungskraft sind vom ersten Moment an spürbar, sobald sie die Bühne betritt.

Und das ist keine Floskel – alles wirkt authentisch und kommt von Herzen.

Wir haben gesungen, geklatscht, getanzt und gelacht.

Die Energie auf der Bühne hat sich unmittelbar auf das Publikum übertragen und für einen unvergesslichen Abend gesorgt, wir waren traurig, dass die Zeit wieder so schnell verging!


TM Premiere Manon

 

Die Aufführung hinterließ leider einen eher zwiespältigen Eindruck. Insgesamt wirkte die Oper über weite Strecken erstaunlich langatmig und konnte  kaum fesseln.

Die Inszenierung trug ihren Teil dazu bei: Eine meist düstere Bühne, dominiert von Spiegeln, die das Licht ständig reflektierten, sorgte nicht nur für Unruhe, sondern war stellenweise regelrecht anstrengend für die Augen.

Gesanglich gab es Lichtblicke, wenn auch nicht durchgehend überzeugend. Manon klang zeitweise etwas spitz, während Chevalier sich dann in der zweiten Hälfte steigerte. Am besten noch immer Stermann, der selbst in kleineren Rollen Präsenz zeigt und heraussticht.

Ein klarer Minuspunkt waren die Kostüme. Der Versuch, die Ästhetik der 1950er Jahre einzufangen, wirkte eher unglücklich – insbesondere die klobigen Schuhe und insgesamt wenig schmeichelhaften Schnitte konnten nicht begeistern.

Positiv hervorzuheben ist wie so oft der Opernchor, der mit kraftvollem und präzisem Gesang überzeugte und der Aufführung zumindest musikalisch Stabilität verlieh. Ebenso das Orchester!

Insgesamt bleibt es für mich eine Produktion, die trotz einzelner guter Leistungen ihr Potenzial nicht ausschöpft und vor allem inszenatorisch enttäuscht.


Museum Barberini Potsdam

 

Die Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ überzeugt als eindrucksvolle Hommage an einen der bedeutendsten Wegbereiter der modernen Malerei hierzulande.

Mit einer bemerkenswerten Fülle an Werken von Max Liebermann sowie Arbeiten seiner Zeitgenossen eröffnet sie einen facettenreichen Blick auf die Entwicklung des deutschen Impressionismus.

Besonders gelungen ist die kuratorische Zusammenstellung, die nicht nur Liebermanns künstlerische Bandbreite zeigt, sondern auch seine Einbettung in ein Netzwerk von Weggefährten und Einflüssen nachvollziehbar macht.

Die Ausstellung schafft es, sowohl Kenner als auch Neueinsteiger anzusprechen und vermittelt ein lebendiges Gefühl für die Aufbruchsstimmung dieser Epoche.

Ein Highlight sind selbstverständlich die Motive aus dem berühmten Sommergarten am Wannsee, die mit ihrer Lichtstimmung und Atmosphäre gefallen. Wer die Gelegenheit hat, sollte diesen Ort unbedingt selbst besuchen – er ergänzt das Ausstellungserlebnis auf wunderbare Weise.

Abgerundet wird der Kulturtag idealerweise mit einem Bummel durch Potsdam.

Die Kombination aus Kunstgenuss und entspanntem Flanieren macht den Tag perfekt!


Anatevka TM

 

Wenn ich jemandem in unserer Stadt einen rundum gelungenen Abend empfehlen sollte, dann ganz unbedingt unsere Inszenierung von Anatevka. Hier ist einfach alles stimmig: die originalgetreuen Kostüme, die wunderbare Bühne, die hohe stimmliche Qualität – und das Orchester, das von der Klezmer-Band Foyal eindrucksvoll unterstützt wird, in der auch Ulrike Baumgarten als Chormitglied mitwirkt. 

Was für eine Spielfreude! Bekannte Melodien werden mit Leben gefüllt, und zugleich trifft einen die – leider heute wieder erschreckend aktuelle – Thematik des Stücks mitten ins Herz.

Ein besonders bewegender Moment war zudem, die anschließende Verabschiedung unserer langjährigen Kammersängerin Undine Dreißig nach der Vorstellung.

Sie hat in unzähligen Rollen brilliert und mich persönlich über viele Jahre hinweg in die Welt der Oper begleitet und geprägt. Für ihren weiteren Weg beste Wünsche!



Der Sandmann  Ballett TM

 

Die letzten Inszenierungen des Ballettes konnten uns ehrlich gesagt nicht ganz überzeugen – umso größer war die Überraschung diesmal.

Diese Aufführung hat das eingefangen, was wir uns erhofft hatten: Atmosphäre, Spannung und eine stimmige künstlerische Handschrift.

Schon die Musikauswahl war genau richtig – sie hat die düstere Grundstimmung der Geschichte wunderbar getragen, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken.

Dazu kam eine beeindruckende Bühnengestaltung, die visuell viel geboten hat und den Zuschauer direkt in diese unheimliche Welt hineingezogen hat.

Besonders hervorzuheben ist das integrierte Puppentheater. Das war nicht nur eine kreative Ergänzung, sondern hat der Inszenierung eine ganz eigene, fast verstörende Tiefe verliehen – absolut passend für diese Gruselgeschichte.

Es fühlte sich an wie eine Mischung aus Rocky Horror, Coppélia und ein bisschen Gregor Samsa – schräg, düster und gleichzeitig faszinierend.

Insgesamt eine rundum gelungene Aufführung, die zeigt, wie viel Potenzial in diesem Stoff steckt, wenn er mit der richtigen Vision umgesetzt wird.


Förderpreisgala TM

 

Was für ein festlicher Abend – die Förderpreisgala hat einmal mehr bewiesen, wie lebendig und bedeutend Kunst und Kultur in unserer Gemeinschaft sind. Symbolisch wurde der rote Teppich ausgerollt für drei herausragende junge Talente, deren Auswahl der Jury gewiss nicht leicht gefallen ist: Weronika Rabek im Musiktheater, Louise Meyer-Bisch im Ballett und Anton Andreew im Schauspiel. Sie stehen exemplarisch für die Zukunft der darstellenden Künste und wurden an diesem Abend zu Recht gefeiert.

Ein weiterer bewegender Moment war die Ehrung der diesjährigen Trägerin des Freundespreises für ihr langjähriges Engagement. Solche Auszeichnungen erinnern daran, dass kulturelle Arbeit nicht nur auf der Bühne stattfindet, sondern auch durch kontinuierliche Unterstützung im Hintergrund getragen wird.

Seit nunmehr 29 Jahren schafft es der Förderverein, gemeinsam mit Publikum, Künstlerinnen und Künstlern sowie allen Beteiligten, einen Raum der Begegnung und Wertschätzung zu gestalten. Diese Kontinuität ist alles andere als selbstverständlich. Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie entscheidend ehrenamtlicher Einsatz und finanzielle Förderung sind. Der Dank an die treuen Sponsoren war daher nicht nur angebracht, sondern zentral: Ohne sie wäre diese kulturelle Vielfalt kaum möglich.

Besonders hervorzuheben ist auch die beeindruckende Entwicklung des Hauses selbst. Zahlreiche erfolgreiche Produktionen, internationale Einladungen und Auszeichnungen sprechen für sich – allen voran die Ehrung des Schauspiels als „Theater des Jahres“. Dies unterstreicht den hohen künstlerischen Anspruch und die Strahlkraft weit über die eigene Stadt hinaus.

Nicht zuletzt wurde die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Förderverein und Theaterleitung gewürdigt. Der offene Austausch, die Einbindung in Entscheidungsprozesse und die Aufmerksamkeit gegenüber dem Publikum schaffen eine Basis, auf der Kultur nachhaltig wachsen kann.

Insgesamt war die Förderpreisgala nicht nur eine Feier einzelner Leistungen, sondern ein starkes Zeichen für den Wert von Kunst in unserer Gesellschaft – inspirierend, verbindend und unverzichtbar.


Vernissage in den Gruson-Gewächshäusern
Es hatte eigentlich alles, was ein gelungener Abend braucht: ein außergewöhnliches Ambiente, warme Luft zwischen exotischen Pflanzen und eine Atmosphäre, die Kunst geradezu tragen könnte. Umso bedauerlicher, dass die Ausstellung selbst diesem Rahmen nur selten gerecht wurde.
Neben einigen wenigen bekannten, soliden Positionen drängte sich erneut eine Vielzahl von Künstlern auf, deren Beiträge eher beliebig wirkten. Man fragt sich unweigerlich: Wer trifft hier eigentlich die Auswahl? Der Eindruck entsteht, dass nicht kuratorische Stringenz, sondern eher Großzügigkeit das Prinzip ist – mit entsprechend durchwachsenem Ergebnis.
Der Abend selbst hatte dennoch seine Qualitäten. Gute Gespräche, angenehme Musik und viele bekannte Gesichter sorgten für eine gesellige Stimmung. In dieser Hinsicht war die Veranstaltung durchaus gelungen.
Doch rein der Ausstellung wegen hätte man sich an einem Werktag abends kaum auf den Weg machen müssen. Das Potenzial der Gewächshäuser bleibt damit weiterhin größer als das, was künstlerisch darin gezeigt wird.

 


Helsinki
– nein, diese Stadt ist für uns kein Ort zum Verlieben. Bereits in Oslo hatten wir das Gefühl, dass der typische Großstadtcharakter fehlt, und in Helsinki hat sich dieser Eindruck noch verstärkt. Alles, was man sich anschauen kann, ist im Grunde in zwei bis drei Tagen erledigt – danach stellt sich schnell eine gewisse Langeweile ein.
Selbst das eigentlich vielversprechende Sauna-Erlebnis direkt am Hafen an der Ostsee konnte uns nicht überzeugen. Trotz der schönen Lage ließ die Hygiene für unseren Geschmack zu wünschen übrig, sodass wir es nicht wirklich genießen konnten.
Kulinarisch war die Reise ebenfalls eine Enttäuschung. Das lokale Essen hat uns kaum angesprochen, teilweise empfanden wir es sogar als regelrecht schlecht. Am Ende sind wir häufig auf asiatische Restaurants ausgewichen, um halbwegs zufrieden essen zu können.
Was Helsinki jedoch wirklich gut macht, sind seine kulturellen Einrichtungen. Diese werden auch sichtbar intensiv von der Bevölkerung genutzt. Besonders beeindruckend ist die große, moderne Bibliothek, die weit mehr bietet als nur Bücher – mit gemütlichen Aufenthaltsbereichen, Arbeitsplätzen und Freizeitmöglichkeiten. Auch das Konzerthaus hat uns begeistert, vor allem durch die kostenlosen kleinen Konzerte, die mehrmals täglich stattfinden. Dazu kommen ein sehenswertes großes Museum sowie zahlreiche Kirchen, die das Stadtbild prägen.
Insgesamt bleibt für uns ein gemischter Eindruck: kulturell stark, aber ansonsten wenig mitreißend. Ein einmaliger Besuch reicht aus unserer Sicht völlig aus.
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Ballettpremiere Drifting Out/ Bolero TM

 

Mit „Drifting Out“ schufen Ansa und Bacovich ein Werk, das sich thematisch der Klimakrise und dem Artensterben widmet. 

Der Titel verweist wohl bereits auf ein Abdriften – ein Sich-Entfernen von einem Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.

Zur Musik von Sinfonie der Klagelieder von Henryk Górecki entfaltet sich eine düstere Choreografie, die wohl das fragile und zunehmend gespannte Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt hinterfragen soll.

Weiße Bühnenelemente schließen die Tanzenden von allen Seiten und sogar von oben ein – ein starkes Bild für Begrenzung, Bedrohung und Ausweglosigkeit. Später bricht dunkle Flüssigkeit hervor, ein beinahe apokalyptisches Szenario, das die Dramatik noch verstärkt.

Inhaltlich ist das Werk jedoch schwer zugänglich. Die komplexe, für viele Ohren sperrige moderne Klassik verstärkt diesen Eindruck. Trotz der beeindruckenden Leistung der Company bleibt man am Ende eher ratlos zurück – überwältigt von Bildern, aber emotional nicht vollständig erreicht. Tatsächlich wurden im Pausengespräch von vielen das Ganze etwas hilflos hinterfragt!

Ganz anders der zweite Teil des Abends mit Ravels Boléro. Mit diesem Werk kann man ja auch kaum etwas falsch machen: Die Musik ist eingängig, weltbekannt und entfaltet durch ihre stetige Steigerung eine unmittelbare Sogwirkung. Der israelische Choreograf setzte konsequent auf die Farben Schwarz und Rot – eine naheliegende, aber wirkungsvolle Entscheidung. Besonders interessant war die Bühnengestaltung: Ein überdimensionales Bücherregal bildete den Rahmen, in dem sich die farblich reflektierten Tänzerinnen und Tänzer bewegten.

Erneut zeigte das Ballettensemble eine beeindruckende sportliche und künstlerische Leistung. Die Magdeburgische Philharmonie unter ihrem Generalmusikdirektor sorgte für eine wunderbare musikalische Begleitung und trug maßgeblich zur Intensität des Abends bei.

Und doch – das schönste Erlebnis des Abends war letztlich die Premierenfeier.


Philharmonie Bonn Laeiszhalle Hamburg

 

Die Bonner Philharmonie gastierte in der Laeiszhalle – jenem ehrwürdigen Konzertsaal, der als alte Musikstätte Hamburgs jahrzehntelang eine feste Institution im Kulturleben der Hansestadt war.

Gestiftet von dem Hamburger Reederpaar Carl Heinrich und Sophie Laeisz, atmet das Haus noch immer den Geist großer musikalischer Tradition.

Seit der Eröffnung der Elbphilharmonie verteilen sich die Konzerte auf beide Häuser – hier die traditionsreiche Klassik, dort das architektonische Wahrzeichen moderner Klangkultur. Umso erfreulicher war es, die Bonner Philharmonie im Rahmen eines Gastspiels in der Laeiszhalle zu erleben.

Unter dem Motto „Ein italienischer Spaziergang“ entführten die Musikerinnen und Musiker ihr Publikum auf eine klangvolle Reise gen Süden. Mit spürbarer Spielfreude, stilistischer Sicherheit und fachlicher Brillanz musizierten die Gäste kurzweilig und zugleich anspruchsvoll.

Natürlich durften die großen italienischen Klassiker nicht fehlen. Besonders reizvoll jedoch war, dass nicht nur bekannte Werke erklangen: Auch Komponisten anderer Länder, die Italien verehrten und ihre Eindrücke musikalisch verarbeiteten, fanden Berücksichtigung im Programm. So entstand ein abwechslungsreicher Dialog zwischen italienischer Originalität und internationaler Begeisterung für das „Bel Paese“.

 

Simone Weber-Niemeck


TM Schauspiel - Indien

 

Mit „Indien" am Theater Magdeburg hat Bastian Lomsché ein echtes Meisterwerk auf die Bühne gebracht.

Die drei Protagonistinnen – Schneider, Vogel und Albrecht – spielen schlicht zum Niederknien. Jedes Wort sitzt, jede Bewegung ist präzise gesetzt, und das Publikum folgt dem Geschehen mit sichtbarer Begeisterung. Über zwei Drittel des Abends hinweg beobachtet man zwei völlig unterschiedliche Männer – genialerweise hier mit Frauen besetzt – in all ihrer Gegensätzlichkeit: ihre Rivalitäten, ihre Marotten, ihre Wünsche.

Damit treiben sie die Servicekräfte konsequent an die Grenze der Belastbarkeit.

Als einer der beiden lebensgefährlich erkrankt, wird die Dynamik plötzlich existenziell. Der andere muss aus seinem Panzer der Gewohnheiten ausbrechen – und tut es.

Berührend ist zu sehen, mit welchen tastenden, manchmal unbeholfenen, manchmal überraschend zärtlichen Versuchen er den Kollegen auf der gemeinsamen Reise aufzuheitern versucht.

Selbst als der Erkrankte seiner Krankheit erliegt, findet das Stück ein tröstliches, musikalisches Ende, das die zuvor aufgebaute Leichtigkeit nicht zerstört, sondern in etwas Sanftes und Versöhnliches überführt.

Große Begeisterung bei Alt und Jung im Publikum – völlig zu Recht.


Konzert und Lesung Synagoge Magdeburg

 

Das Programm der beiden Protagonisten von Foyal in der Neuen Synagoge Magdeburg war auch an diesem 22. Januar wieder keine Enttäuschung. Beide sind begnadete Kunstschaffende, deren musikalische Qualität und Bühnenpräsenz das Publikum von Beginn an überzeugten.

Nach einigen einführenden Erläuterungen zum Haus begann das Konzert. Zunächst trat Herr Seibert, Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Magdeburg, als Vortragender auf.

Er ist in der Stadt durch sein langjähriges Engagement bekannt und bringt sich auch im Ruhestand mit großem Einsatz für die Gemeinde ein – ein Einsatz, der großen Respekt verdient.

Als literarisch Vortragender hatte er sich an diesem Abend jedoch etwas übernommen. Die jüdische Literatur ist reich an pointierten, scharfzüngigen und humorvollen Erzählungen, doch die Auswahl wirkte wenig glücklich. Auch gelang es Herrn Seibert nicht durchgehend, die Texte eloquent und überzeugend vorzutragen. Zum Abschluss wurden jüdische Witze präsentiert, die zwar weltweit bekannt sind, sich hier jedoch als allzu vertraute „alte Hüte“ erwiesen.

Unpassend wirkte zudem die Einbindung des bekannten Zitats von Max Liebermann („Ick kann jar nicht so ville fressen, wie ick kotzen möchte“) im Kontext der Witze. Diese Verwendung traf weder den Ton des Abends noch den historischen Hintergrund des Zitats.

Trotz dieser kritischen Anmerkungen bleibt der musikalische Teil des Abends in bester Erinnerung. Das Konzert selbst war wunderbar, getragen von hoher künstlerischer Qualität und spürbarer Leidenschaft der Musiker.



Kleinstadtnovelle TM

 

In der 1980 erschienenen Kleinstadtnovelle verarbeitete Schernikau seine eigenen Erfahrungen als junger Mann, der Männer liebt, mit treffender Beobachtungsgabe.

Dem Autor gelang es meisterhaft, die Eigenheiten und Widersprüche des Kleinstadtlebens in seiner Weise darzustellen. Besonders hervorzuheben an diesem Werk:  seine brillante Wortwahl und die Dialoge, die sowohl bissig als auch tiefgründig sind und den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der Angst vor dem Unbekannten präsentieren.

Die Inszenierung spiegelt die Enge und die Begrenztheit der Kleinstadtwelt zwar wider, doch Schernikaus sprachliche Virtuosität, seine genialen Dialoge kommen zu kurz.

Das Publikum sitzt im Halbrund an kleinen Tischen und wird mit Salzstangen und Sekt bewirtet - auch interaktiv mit einbezogen.

Die Darsteller:innen leisten hervorragende Arbeit, Nora Buzalka u.a. als Mutter, Lorenz Krieger mit langgewachsenem Haar kaum wiederzuerkennen, wunderschön im langen schwarzen Kleid - zart und zerbrechlich. Anton Andreew spielt Leif mit Wucht und alterniert später zwischen den Protagonisten.

Doch der Tanz umeinander wird im Laufe des Abends redundant, es fehlen Schernikaus Worte, die die Fragen nach Identität, Veränderung und der eigenen Rolle in einer scheinbar kleinen Welt aufgreifen.

Trotzdem ein wichtiges Stück, immer noch und gerade wieder - Kleinstadt als Mikrokosmos unserer Gesellschaft und wie sie den unterschiedlichen Lebensentwürfen begegnet.