Kulturgeraune 2020


Premiere Turandot Oper Magdeburg

Der Vorhang öffnet sich und ein dystopisches Bühnenbild in grün-grau-schwarz schlägt in den Bann.
Dazwischen mäandern kleine und große Menschen in Neandertalerkostümen zwischen Knochen und Totenschädeln.
Das große Kaiserreich China zurückgeworfen in schmutzige Restnatur?
Für mich persönlich fast eine politische Aussage.
Auch die liebliche kaiserliche Tochter ist eher martialisch anzuschauen.
Als Gast die stimmgewaltige Orla Boylan.
Eine fantastische Sopranistin, die allerdings Aldo di Toro als Calaf gegen die Wand sang.
Gut, dass es einige Soli gab, in denen er sich beweisen konnte, vor allem im beliebten Nessun dorma.
Die wunderbare Raffaela Lintl glänzte stimmlich und spielfreudig als Liú.
Unser Chor trat wie immer großartig auf.
Die so schwere Partie für das Orchester wurde unter der Leitung unserer Generalmusikdirektorin perfekt gemeistert.
Ein besonderer Coup gelang der Inszenierung mit dem Abbruch der Handlung am Ende der puccinischen Vorlage.
Die Bühne verschwindet, der Vorhang fällt und die Mitwirkenden werden, für das Publikum sichtbar, abgeschminkt.
Das von Alfono gestaltete Ende nach dem Tod Puccinis  wird dann in Bademänteln gezeigt....
Ganz großer Abend!

 Simone


75. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs

Dieser furchtbare Tag, der unsere einstige Barockstadt in Schutt und Asche legte und so viel Leid brachte, jährte sich nun zum 75. Mal. Ein Grund für neue und alte Nazis, sich mit ihrer Gesinnung zu positionieren und das Erinnern zu missbrauchen.
Dagegen hatten die Stadt und ein breites Bündnis von Menschen eine ganze Woche Aktionen gesetzt.
Es begann am Donnerstag mit einem gemeinsamen Singen auf dem Rathausplatz und traditionell mit der Neunten Symphonie im Opernhaus.
Unsere Generalmusikdirektorin führte den Taktstock furios und die Chöre waren fantastisch.
Am Freitag wurde dann der Trauermarsch der Nazis direkt durch die Innenstadt geführt. Warum das so zentral erlaubt wurde, erschließt sich niemandem! Zumal viele Menschen noch beim Wochenendeinkauf waren und vor allem Kinder und Alte mit dieser Situation überfordert waren. Vor allem auch das sehr aggressive Vorgehen der Polizist*innen gegen junge Leute, die auf der Straße saßen, war doch sehr verstörend.
Viele Initiativen hatten einen bunten Gegenprotest geplant, auch die Hochschulen und Kirchen waren vor Ort.
Am Samstag präsentierten sich dann die Schulen auf einer bunten Meile.
Auch Kunstschaffende der Stadt ließen es sich nicht nehmen, für halbstündige Auftritte vorbeizukommen. Unter anderem auch die beliebte Gruppe Foyal.
Insgesamt ein schöner bunter Gegenentwurf!

Simone


Vor Sonnenaufgang nach Gerhart Hauptmann

Mit unseren neuen Schauspieler*innen waren eigentlich beste Voraussetzungen geschaffen für eine zeitnahe Inszenierung.
Die Verlegung der Handlung in die Jetztzeit, statt Großbauernfamilie - aufsteigende Mittelschicht mit Hang nach Rechts, war wunderbar nachvollziehbar.
Auch die Bühnenideen - freistehende Treppen, die die Wege darstellten und eine Neonröhre, die immer dann aufleuchtete, wenn der imaginäre Kühlschrank geöffnet wurde, waren erfrischend.

Und die Leistung der Spielenden war großartig!
Aber dann - die Geschichte zog und zog sich.
Und so sehr ich das Klavierspiel von Ralph Opferkuch liebe - hier nervte das minutenlange klassische Spiel.
Für Nichtkenner der Originalvorlage war der Inhalt schlicht nicht erkennbar.
Martha Alkoholikerin? Alfred verlässt Helene wegen der familiären Disposition? Letztendlich Helenes Suizid - nicht nachvollziehbar.
Und so war man einfach erschöpft nach den Stunden, dass nicht mal Lust auf das nach Gespräch blieb ...

Simone


Bauhausmuseum Dessau

 

Zunächst überrascht der Bau.
Mitten in der Stadt ein gläsernes funktionelles Gebäude, ganz im Sinne der Bauhäusler.
Beim Betreten des Hauses eine herrliche Weite - ohne Raumabtrennung Cafe, Artshop, Kinderspielplatz und einige große Exponate. Viel Licht - absolut gelungen!
Den eigentlichen Ausstellungshallen sieht man an, dass viel Geld geflossen ist.
Ähnlich wie beim Magdeburger Dommuseum das Prinzip - wenn man jede Buchseite ausstellt, bekommt man die Räume voll. Inhaltlich hinkt es deutlich Weimar und Berlin hinterher. Im Osten also nichts Neues ;-)

Eine gute Idee ist die Möglichkeit, sich eine eigene Bauhausmappe zusammenstellen zu können. Die Materialien stehen kostenlos in einem Regal zur Verfügung
Achtung - sehr unfreundliches Aufsichtspersonal - ständig wird man nachdrücklich darauf hingewiesen, dass man nichts anfassen soll.
Und die Exponate total verstaubt. Auf den Stühlen und Tischen dicke Schichten. Deswegen soll man es wohl auch nicht berühren....
Man sieht deutlich die Spuren.

 

Mein Tipp:
einfach die Atmosphäre im Atrium genießen - reicht.

 

Simone Weber-Niemeck


Sonderausstellung Villa p Puppentheater

 

Unsere wunderbare Puppenspielsammlung hat zum Bauhaus Jubiläum eine spezielle temporäre Ausstellung bekommen.
Die Puppe wird frühstücken.
Repliken von Handpuppen und Bühnenbildern Paul Klees.
Liebevoll arrangiert in den Räumen der oberen Etage der Villa p.
Am Wochenende einen Nachmittag durch das Haus flanieren und zum Abschluss im Café ein leckeres Teilchen mit einer Tasse Tee - so sehen perfekte Nachmittage aus....

 

Simone Weber-Niemeck