Kulturgeraune 2020


Paul & Paula - Puppentheater

 

Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen.....
Für die Jüngeren Besucher*innen war der Abend nicht so leicht nachzuvollziehen.
Aber wir DDRgelebten waren sofort wieder in der schönsten Liebesgeschichte unserer Jugend.
Die alleinstehende Verkäuferin mit großem Herzen liebt mit allen Fasern.
Und sie ist dankbar für die Früchte der Lieben.
Rike Schuberty verkörpert die Paula agil und benutzt nur wenig Hilfsmittel.
Das wichtigste Utensil ist ein Kühlschrank, der zur Wohnung, zum Bad, zur Wandzeitung verwandelt wird.
Ein paar Puppen zur Unterstützung und die Gitarre, mit der sie sich begleitet beim Gesang der Lieder der Puhdys.
Die Geschichte ist bekannt und so auch das Ende.
Und wie immer sitzt das Publikum und zerknüllt die nassen Taschentücher.
Die Story, die Frau, der Gesang und die Requisiten - perfekt!

 

Simone


Berliner Ensemble - Werther

Jeder liebt anders und so ist auch der Umgang mit Liebeskummer vielschichtig.
Was uns Isaac  Dentler da in eigener Regie anbot, war - euphemistisch ausgedrückt - sehr speziell.
Ein tobender Wüterich, der sich über alles und jeden zynisch auslässt, lediglich Lotte überhöht.
Das Publikum eingeschlossen! Da werden die BesucherInnen beschimpft, ob sie im Deutsch Leistungskurs wären (ist das eigentlich etwas Schlimmes?)
Werther's Echte Bonbons werden in die Stuhlreihen gepfeffert (Gähn!)

Und dann müssen noch alle die bekanntesten Geburtstagslieder für Werther singen.
Das Publikum freut sich und folgt brav....
Unausbleiblich, zieht sich Werther dann auch nach und nach aus, Gott sei Dank bleiben Unterhemd und Hose an....
Lars Eidinger für Arme?
Lediglich die eingespielte Musik weckt Interesse.
Nach einer Stunde schreien, spucken, rauchen, saufen und rumtoben, endet das Spektakel!

Dentler ist ein so großer Schauspieler, scheint aber definitiv nichts für romantische Liebe übrig zu haben!

 

Simone


Museum Barberini - Monet


Zum Frühling hat sich das Haus einmal wieder den Impressionismus geholt. Das Werk Monets in Orte unterteilt.
Und da beginnt schon das Problem.
Die Aufteilung der Räume und Etagen ist kaum nachvollziehbar und fast jede/r hatte zum Schluss einen Raum nicht gefunden, da zwischendurch noch eine Ausstellung mit Monotypien von Jasper Johns gehängt wurde.
So wunderbar und beruhigend, werden die Bilder doch ein wenig langweilig mit der Zeit.
Das Sujet immer ähnlich, nichts Überraschendes.
Natürlich beherrschte der Künstler sein Handwerk - ohne Frage.
Aber das Schwimmen mit dem Strom seiner Zeit ist schon deutlich erkennbar.
Letztendlich stört dann ein vergessener Raum nicht mehr wirklich, da man meint, durch die Repetition schon alles gesehen zu haben ...

 

Simone


Jordanien Petra

 

So lange schon stand dieser Ort auf unserer Wunschliste.

Direkt neben Little Petra liegt das Seven Wonder Beduinencamp.

Dort hatten wir eine Bubble gebucht. Ein halbrundes großes Zelt mit atemberaubendem Ausblick auf die roten Bergen.

Man muss natürlich mit den Gegebenheiten vor Ort rechnen.

Wetterkapriolen, Stromausfälle, ein Zelt, was natürlich nicht mit einer perfekten Isolierung bei diesem Klima dienen kann.

Mal ist das Wasser kalt, dann werden Termine nicht eingehalten, die Essenszeiten verschieben sich.
Wer damit leben kann, wird eine wunderbare Zeit haben.
Die Menschen vor Ort sind freundlich und aufgeschlossen, wenn man auf einer Landstraße wandert, hält jedes Auto, um die Mitfahrt anzubieten, es wird das Gespräch gesucht und immer wird freundlich gelächelt.

Was für eine spektakuläre Naturkulisse.
Und dann Weltkulturerbe Petra!
Mit Worten ist es nicht zu beschreiben. Man steht einfach davor und staunt....
Im Februar hat man tatsächlich die Gelegenheit, plötzlich ganz allein in dieser wahnsinnigen Kulisse zu sein!
Ein Traum wurde wahr...

 

Simone

 


100 Jahre Bauhaus - Vortrag in der Galerie Himmelreich

 

80 Jahre und kein bisschen müde.....
Mit großem Charme und Wissen unterhielt Frau Inge Poetzsch die Anwesenden mit interessanten Details über diese spannende Zeit.
Wir konnten sie mit internationalen Beispielen unterstützen, vor allem mit unseren eigenen Erfahrungen aus Tel Aviv.

 

Simone


25 Jahre Förderpreisverleihung Theater Magdeburg

Ein Vierteljahrhundert gibt es nun schon diese schöne Tradition - das wurde gebührend gefeiert.
Drei Förderpreise in den unterschiedlichsten Sparten und ein Freundespreis wurden auch in diesem Jahr vergeben.
Das Rahmenprogramm gestalteten die Preisträger*innen, ebenso das Bläserensemble des Theaters und die Theaterballettschule, die den Fehlerwalzer darbot.

Bei Snacks und Getränken konnte man anschließend im Rossini mit den Ausgezeichneten ins Gespräch kommen.

 

Simone


Premiere Turandot Oper Magdeburg

Der Vorhang öffnet sich und ein dystopisches Bühnenbild in grün-grau-schwarz schlägt in den Bann.
Dazwischen mäandern kleine und große Menschen in Neandertalerkostümen zwischen Knochen und Totenschädeln.
Das große Kaiserreich China zurückgeworfen in schmutzige Restnatur?
Für mich persönlich fast eine politische Aussage.
Auch die liebliche kaiserliche Tochter ist eher martialisch anzuschauen.
Als Gast die stimmgewaltige Orla Boylan.
Eine fantastische Sopranistin, die allerdings Aldo di Toro als Calaf gegen die Wand sang.
Gut, dass es einige Soli gab, in denen er sich beweisen konnte, vor allem im beliebten Nessun dorma.
Die wunderbare Raffaela Lintl glänzte stimmlich und spielfreudig als Liú.
Unser Chor trat wie immer großartig auf.
Die so schwere Partie für das Orchester wurde unter der Leitung unserer Generalmusikdirektorin perfekt gemeistert.
Ein besonderer Coup gelang der Inszenierung mit dem Abbruch der Handlung am Ende der puccinischen Vorlage.
Die Bühne verschwindet, der Vorhang fällt und die Mitwirkenden werden, für das Publikum sichtbar, abgeschminkt.
Das von Alfono gestaltete Ende nach dem Tod Puccinis  wird dann in Bademänteln gezeigt....
Ganz großer Abend!

 Simone


75. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs

Dieser furchtbare Tag, der unsere einstige Barockstadt in Schutt und Asche legte und so viel Leid brachte, jährte sich nun zum 75. Mal. Ein Grund für neue und alte Nazis, sich mit ihrer Gesinnung zu positionieren und das Erinnern zu missbrauchen.
Dagegen hatten die Stadt und ein breites Bündnis von Menschen eine ganze Woche Aktionen gesetzt.
Es begann am Donnerstag mit einem gemeinsamen Singen auf dem Rathausplatz und traditionell mit der Neunten Symphonie im Opernhaus.
Unsere Generalmusikdirektorin führte den Taktstock furios und die Chöre waren fantastisch.
Am Freitag wurde dann der Trauermarsch der Nazis direkt durch die Innenstadt geführt. Warum das so zentral erlaubt wurde, erschließt sich niemandem! Zumal viele Menschen noch beim Wochenendeinkauf waren und vor allem Kinder und Alte mit dieser Situation überfordert waren. Vor allem auch das sehr aggressive Vorgehen der Polizist*innen gegen junge Leute, die auf der Straße saßen, war doch sehr verstörend.
Viele Initiativen hatten einen bunten Gegenprotest geplant, auch die Hochschulen und Kirchen waren vor Ort.
Am Samstag präsentierten sich dann die Schulen auf einer bunten Meile.
Auch Kunstschaffende der Stadt ließen es sich nicht nehmen, für halbstündige Auftritte vorbeizukommen. Unter anderem auch die beliebte Gruppe Foyal.
Insgesamt ein schöner bunter Gegenentwurf!

Simone


Vor Sonnenaufgang nach Gerhart Hauptmann

Mit unseren neuen Schauspieler*innen waren eigentlich beste Voraussetzungen geschaffen für eine zeitnahe Inszenierung.
Die Verlegung der Handlung in die Jetztzeit, statt Großbauernfamilie - aufsteigende Mittelschicht mit Hang nach Rechts, war wunderbar nachvollziehbar.
Auch die Bühnenideen - freistehende Treppen, die die Wege darstellten und eine Neonröhre, die immer dann aufleuchtete, wenn der imaginäre Kühlschrank geöffnet wurde, waren erfrischend.

Und die Leistung der Spielenden war großartig!
Aber dann - die Geschichte zog und zog sich.
Und so sehr ich das Klavierspiel von Ralph Opferkuch liebe - hier nervte das minutenlange klassische Spiel.
Für Nichtkenner der Originalvorlage war der Inhalt schlicht nicht erkennbar.
Martha Alkoholikerin? Alfred verlässt Helene wegen der familiären Disposition? Letztendlich Helenes Suizid - nicht nachvollziehbar.
Und so war man einfach erschöpft nach den Stunden, dass nicht mal Lust auf das nach Gespräch blieb ...

Simone


Bauhausmuseum Dessau

 

Zunächst überrascht der Bau.
Mitten in der Stadt ein gläsernes funktionelles Gebäude, ganz im Sinne der Bauhäusler.
Beim Betreten des Hauses eine herrliche Weite - ohne Raumabtrennung Cafe, Artshop, Kinderspielplatz und einige große Exponate. Viel Licht - absolut gelungen!
Den eigentlichen Ausstellungshallen sieht man an, dass viel Geld geflossen ist.
Ähnlich wie beim Magdeburger Dommuseum das Prinzip - wenn man jede Buchseite ausstellt, bekommt man die Räume voll. Inhaltlich hinkt es deutlich Weimar und Berlin hinterher. Im Osten also nichts Neues ;-)

Eine gute Idee ist die Möglichkeit, sich eine eigene Bauhausmappe zusammenstellen zu können. Die Materialien stehen kostenlos in einem Regal zur Verfügung
Achtung - sehr unfreundliches Aufsichtspersonal - ständig wird man nachdrücklich darauf hingewiesen, dass man nichts anfassen soll.
Und die Exponate total verstaubt. Auf den Stühlen und Tischen dicke Schichten. Deswegen soll man es wohl auch nicht berühren....
Man sieht deutlich die Spuren.

 

Mein Tipp:
einfach die Atmosphäre im Atrium genießen - reicht.

 

Simone Weber-Niemeck


Sonderausstellung Villa p Puppentheater

 

Unsere wunderbare Puppenspielsammlung hat zum Bauhaus Jubiläum eine spezielle temporäre Ausstellung bekommen.
Die Puppe wird frühstücken.
Repliken von Handpuppen und Bühnenbildern Paul Klees.
Liebevoll arrangiert in den Räumen der oberen Etage der Villa p.
Am Wochenende einen Nachmittag durch das Haus flanieren und zum Abschluss im Café ein leckeres Teilchen mit einer Tasse Tee - so sehen perfekte Nachmittage aus....

 

Simone Weber-Niemeck